Zusätzliches Training kann sinnvoll sein – muss es aber nicht. Ein U10-Kind entwickelt sich nicht automatisch besser, weil neben dem Verein noch eine Tennisschule und mehrere Einzelstunden dazukommen. Entscheidend ist, welches konkrete Problem gelöst werden soll.
Zuerst das bestehende Training bewerten
Bevor zusätzliche Stunden gebucht werden, sollten Eltern gemeinsam mit dem Haupttrainer prüfen:
- Ist die Trainingsgruppe passend?
- Bekommt das Kind genügend Ballkontakte?
- Gibt es regelmäßige Matchpraxis?
- Werden technische Themen sauber betreut?
- Gibt es freie Spielmöglichkeiten?
Wenn diese Punkte gut funktionieren, besteht möglicherweise gar kein zusätzlicher Bedarf.
Einzeltraining braucht ein klares Ziel
Einzeltraining ist besonders sinnvoll, wenn an einem klar definierten Thema gearbeitet werden soll. Das kann zum Beispiel der Aufschlag, ein technischer Bewegungsablauf, Fußarbeit oder eine konkrete taktische Situation sein.
Weniger sinnvoll ist Einzeltraining, wenn es nur gebucht wird, weil andere Kinder ebenfalls Einzelstunden nehmen.
Tennisschule kann zusätzliche Struktur bieten
Eine externe Tennisschule kann interessant sein, wenn sie Trainingspartner, spezielle Lehrgänge oder zusätzliche Expertise bietet, die im eigenen Verein aktuell fehlen.
Wichtig ist aber die Abstimmung mit dem Heimtrainer. Unterschiedliche technische Vorgaben können ein Kind eher verunsichern als fördern.
Mehr Training darf Matchpraxis nicht verdrängen
Ein Kind kann viele Trainerstunden haben und trotzdem zu wenig frei spielen. Für Entwicklung sind auch Trainingsmatches, Mannschaftsspiele und selbstständiges Spielen wichtig.
Zusätzliche Einzelstunden sollten deshalb nicht automatisch jede freie Platzzeit ersetzen.
Belastung immer mitdenken
Zusatztraining bedeutet oft auch zusätzliche Fahrt, spätere Abende und weniger freie Zeit. Besonders bei Schule, Mannschaft und Turnieren kann ein weiterer Termin den Wochenplan deutlich voller machen.
Die Frage lautet daher nicht nur: „Kann das Kind noch eine Stunde trainieren?“, sondern: „Passt diese Stunde sinnvoll in die gesamte Woche?“
Wann zusätzliches Training sinnvoll sein kann
Gute Gründe können sein:
- ein konkretes technisches Defizit,
- fehlende passende Trainingspartner,
- Vorbereitung auf einen neuen Spielschwerpunkt,
- zeitlich begrenzte intensive Lernphase,
- ergänzende Match- oder Athletikangebote.
Wann eher kein zusätzliches Training nötig ist
Vorsicht ist sinnvoll, wenn:
- das Kind bereits viele feste Termine hat,
- der Zweck der Zusatzstunde unklar ist,
- mehrere Trainer gegensätzliche Vorgaben machen,
- das Kind dauerhaft müde oder unmotiviert wirkt,
- freie Spielzeit praktisch vollständig verschwindet.
Die beste Lösung kann auch temporär sein
Zusatztraining muss nicht dauerhaft stattfinden. Ein Block aus einigen Einzelstunden kann gezielt an einem Thema arbeiten und danach wieder enden.
Das hält den Plan flexibel und verhindert, dass jede Maßnahme automatisch zum festen Dauertermin wird.