Rumpfstabilität heißt kontrollieren, nicht festhalten
Beim weiten Vorhandball musst du abbremsen, dich zum Schlag ausrichten und anschließend wieder loslaufen. Dein Rumpf verbindet dabei die Bewegung von Beinen, Becken und Oberkörper. Er soll Kräfte übertragen und Bewegungen kontrollieren – nicht den ganzen Ballwechsel lang steif bleiben. Deshalb gehören zum Rumpftraining sowohl Übungen gegen ein ungewolltes Ausweichen als auch bewusst ausgeführte Drehbewegungen.
Für gesunde erwachsene Freizeitspieler lässt sich daraus ein überschaubarer Einstieg aufbauen: Dead Bug, Pallof Press, einseitiges Tragen und eine kontrollierte Rotation. Die Übungen unten sind eine praktische Auswahl, kein individuell verordneter Trainingsplan. Sie ersetzen weder Schlagtraining noch ein ausgewogenes Kraftprogramm für den ganzen Körper.
Vor dem Training
Beginne auf einer freien, ebenen und rutschfesten Fläche. Wärme dich vorher fünf bis zehn Minuten mit leichter Bewegung auf, etwa mit zügigem Gehen. Bei bestehenden Rückenproblemen, Osteoporose, einer akuten Verletzung oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen klärst du die Übungsauswahl vorher fachlich ab. Schmerzen, Schwindel, Taubheit oder ungewöhnliche Atemnot sind Gründe, die Belastung zu beenden und medizinischen Rat einzuholen. Lässt dagegen ohne solche Beschwerden lediglich die saubere Ausführung nach, beendest du den Satz und wählst nach einer Pause eine leichtere Variante.
Vier Übungen mit unterschiedlichen Aufgaben
Wähle die Schwierigkeit so, dass du ruhig weiteratmen und die Bewegung wiederholen kannst. Du musst weder einen möglichst flachen Rücken erzwingen noch jede kleine natürliche Bewegung unterdrücken. Entscheidend ist, dass du nicht ungewollt ins Hohlkreuz, zur Seite oder in eine Drehung ausweichst.
Dead Bug: Arme und Beine bewegen, den Rumpf kontrollieren
Lege dich auf eine Matte. Hebe die Beine einzeln an, bis die Knie ungefähr über der Hüfte stehen; die Knie bleiben gebeugt. Die Arme zeigen nach oben. Senke langsam eine Ferse Richtung Boden. Gleichzeitig führst du den gegenüberliegenden Arm über den Kopf nach hinten Richtung Boden. Bringe beide zurück und wechsle die Seite. Becken und Brustkorb sollen dabei möglichst ruhig bleiben, die Atmung läuft weiter.
Der Boden muss nicht berührt werden. Verkürze den Weg, sobald dein Rücken stärker ins Hohlkreuz zieht oder du die Luft anhältst. Einfacher wird es, wenn du zunächst nur ein Bein bewegst und die Arme ruhig lässt. Ein längerer Hebel ist erst dann sinnvoll, wenn die kurze Variante kontrolliert gelingt. Diese Aufgabe wird häufig Anti-Extension genannt: Du übst, einem ungewollten Überstrecken entgegenzuwirken.
Als Alternative eignet sich ein kurzer Unterarmstütz auf den Knien: Ellbogen unter die Schultern, Kopf in Verlängerung des Rückens, Becken nicht absinken lassen. Halte nur so lange, wie du ruhig atmen kannst. Ein langer Plank mit verloren gehender Haltung ist keine notwendige Steigerung.
Pallof Press: einem seitlichen Zug widerstehen
Befestige ein unbeschädigtes Trainingsband nach Herstellerangabe sicher auf Brusthöhe. Ein lockerer Zaun, eine ungesicherte Tür oder ein bewegliches Netz sind keine geeigneten Befestigungen. Stelle dich seitlich zum Zugpunkt, etwa hüftbreit, mit leicht gebeugten Knien. Halte das Band mit beiden Händen vor der Brust.
Schiebe die Hände langsam nach vorn, halte kurz und führe sie zurück. Brustbein und Becken bleiben nach vorn ausgerichtet; du drehst dich nicht zum Band. Trainiere anschließend die andere Seite. Ist der Zug zu stark, nutze ein leichteres Band, verringere seine Dehnung oder verkürze den Armweg. Anti-Rotation bedeutet hier, einer äußeren Drehkraft zu widerstehen – nicht, Drehungen beim Tennis grundsätzlich zu vermeiden.
Suitcase Carry: einseitig tragen, aufrecht gehen

Nimm eine gut greifbare Hantel in eine Hand und lass den Arm neben dem Körper hängen. Wähle ein Gewicht, das du sicher aufnehmen und wieder absetzen kannst. Gehe auf einer freien, ebenen Strecke einige ruhige Schritte. Bleibe aufrecht, ohne dich zur Last hin oder von ihr wegzulehnen; ziehe die belastete Schulter nicht bewusst hoch. Setze das Gewicht kontrolliert ab und wiederhole die Strecke mit der anderen Hand.
Hier geht es um Kontrolle gegen seitliches Abknicken, nicht um die schwerste tragbare Last. Wird der Griff unsicher oder beginnt die Hantel zu pendeln, verkürze die Strecke oder reduziere das Gewicht. Für den Einstieg kannst du die leichte Last zunächst im Stand halten. Beide Seiten erhalten denselben überschaubaren Umfang; deutliche Unterschiede sind ein Anlass, die Ausführung prüfen zu lassen.
Kontrollierte Rotation: mitdrehen statt verdrehen
Beginne ohne Zusatzlast. Stehe bequem, die Knie leicht gebeugt, und halte die Hände vor dem Brustkorb. Drehe dich langsam nach rechts und zurück zur Mitte, danach nach links. Lass Becken und Brustkorb zusammenarbeiten und die Füße passend mitdrehen. Erzwinge keine große Schulterdrehung über festgeklebten Füßen und versuche nicht, die ganze Bewegung aus dem unteren Rücken zu holen.
Beende die Drehung dort, wo sie sich noch flüssig kontrollieren lässt. Erst wenn das sicher gelingt, kommt ein leichter Kabelzug oder eine passende Medizinballübung unter fachkundiger Anleitung infrage. Schnelle Würfe brauchen außerdem einen geeigneten Ball, ausreichend freien Raum und ein sicheres Ziel. Sie sind eine spätere Möglichkeit, keine Pflicht für diesen Einstieg.
So passt die Einheit in deine Tenniswoche
Die ACSM-Empfehlungen von 2026 raten gesunden Erwachsenen zu Krafttraining für alle großen Muskelgruppen an mindestens zwei Tagen pro Woche. Daraus folgt nicht, dass genau diese vier Übungen in einer bestimmten Dosis deine Tennisschläge verbessern. Nutze sie als Rumpfbaustein eines breiteren Programms mit Zug-, Druck-, Kniebeuge- und Hüftbewegungen.
Für zwei kurze Termine mit einem Erholungstag dazwischen kannst du mit dem folgenden redaktionellen Einstiegsbeispiel arbeiten. Lerne neue Bewegungen zunächst in einem lockeren Probesatz. Danach sind zwei kontrollierte Sätze pro Übung eine mögliche Orientierung, nicht eine Pflicht. Passe Last, Umfang und Pausen an dein Niveau und deine übrigen Einheiten an.
| Übung | Möglicher Einstieg je Satz | Woran du die Schwierigkeit erkennst |
|---|---|---|
| Dead Bug | Vier bis sechs ruhige Wiederholungen je Seite | Du bewegst Arme und Beine, ohne ungewollt ins Hohlkreuz auszuweichen. |
| Pallof Press | Vier bis sechs Wiederholungen je Ausrichtung, vorn kurz halten | Der Bandzug dreht dich nicht mit. |
| Suitcase Carry | Eine kurze Strecke, etwa zehn bis zwanzig Meter je Hand | Schritte und Oberkörper bleiben kontrolliert, der Griff bleibt sicher. |
| Rotation ohne Last | Vier bis sechs langsame Drehungen je Richtung | Füße, Becken und Oberkörper bewegen sich ohne erzwungene Endposition. |
Erhole dich zwischen den Sätzen so weit, dass du wieder ruhig atmest und sauber beginnen kannst; etwa eine Minute kann als erster Anhaltspunkt dienen. Höre auf, bevor die saubere Ausführung verloren geht, auch wenn die geplante Zahl noch nicht erreicht ist. Training bis zum Muskelversagen ist für allgemeine Krafttrainingsfortschritte nicht erforderlich. Neue oder deutlich schwerere Einheiten legst du nicht unmittelbar vor ein wichtiges Match.
Wenn die gewählte Variante über mehrere Einheiten sicher gelingt, verändere nur einen Faktor: zum Beispiel den Bewegungsweg, die Wiederholungen oder die Last. Ein dritter Satz kann später passen, muss aber nicht gleichzeitig mit mehr Gewicht hinzukommen. Notiere Variante, Umfang und eine Beobachtung zur Kontrolle. Eine kurze Videoaufnahme oder Rückmeldung einer qualifizierten Trainingsperson hilft eher als ein täglicher Maximaltest.
Was davon auf dem Platz ankommen soll
Gehe nach ausreichender Pause zu wenigen lockeren Schattenschlägen oder leichten Zuspielen über. Achte darauf, ob du die Drehbewegung flüssig ausführst, nach dem Schlag ausbalanciert weiterlaufen kannst und nicht den Bauch dauerhaft festhältst. Wenn die Kraftübungen dich dafür bereits zu müde gemacht haben, trenne die beiden Teile. Das Ziel ist eine verständliche Verbindung zur Schlagbewegung, nicht ein möglichst erschöpfter Bauch.
Ein unsicherer Treffpunkt beweist keinen schwachen Rumpf. Ballabstand, Beinarbeit, Timing und Schlagtechnik können ebenso beteiligt sein. Beurteile deshalb Übungen und Tennisbewegungen getrennt: Bessere Kontrolle beim Tragen ist ein nachvollziehbarer Übungsfortschritt, aber noch kein Beleg für mehr Schlagtempo oder weniger Verletzungen.