Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht automatisch die Fähigkeit, gutes Tennis zu spielen. Was sich häufig verändert, ist die verfügbare Bewegungsreserve: Drehungen fühlen sich enger an, tiefe Bälle verlangen mehr Vorbereitung und nach längeren Pausen dauert es etwas länger, bis sich der Körper frei bewegt. Für Tennisspieler ist deshalb nicht maximale Gelenkigkeit das Ziel, sondern ausreichend Beweglichkeit für die Bewegungen, die auf dem Platz tatsächlich gebraucht werden.
Warum Beweglichkeit im Tennis wichtig bleibt
Tennis verlangt ständig wechselnde Bewegungen. Der Oberkörper rotiert bei Grundschlägen, die Hüfte unterstützt Richtungswechsel, die Schulter muss beim Aufschlag eine große Bewegungsbahn kontrollieren und das Sprunggelenk hilft beim Abbremsen und erneuten Beschleunigen. Fehlt an einer Stelle Bewegungsfreiheit, wird häufig an anderer Stelle kompensiert. Das kann die Technik unruhiger und Bewegungen unnötig anstrengend machen.
Wichtig ist deshalb eine einfache Frage: Kannst du die tennisrelevanten Positionen kontrolliert erreichen, ohne auszuweichen oder unnötig Spannung aufzubauen?
Die wichtigsten Bereiche für Tennisspieler
Hüfte: Eine bewegliche Hüfte erleichtert Rotation, seitliche Schritte und das Absenken des Körperschwerpunkts. Besonders hilfreich sind kontrollierte Ausfallschritte, Hüftrotationen und Bewegungen, bei denen das Becken stabil bleibt.
Brustwirbelsäule: Viele Schlagbewegungen profitieren von einer guten Oberkörperrotation. Statt die Bewegung aus dem unteren Rücken zu erzwingen, sollte die Rotation möglichst aus Brustwirbelsäule und Hüfte zusammenspielen.
Schultergürtel: Für Aufschlag, Schmetterball und hohe Bälle braucht die Schulter nicht nur Beweglichkeit, sondern auch Kontrolle. Große Bewegungsumfänge ohne Stabilität bringen wenig.
Sprunggelenk: Beim Split Step, beim Abbremsen und bei tiefen Positionen hilft eine ausreichende Beweglichkeit im Sprunggelenk. Kleine Mobilitätsübungen können hier oft mehr bringen als aggressive Dehnprogramme.
Beweglichkeit ist kein Wettbewerb
Gerade ältere Spieler profitieren davon, Beweglichkeit nicht über maximale Dehnpositionen zu definieren. Entscheidend ist eine Bewegungsweite, die im eigenen Spiel gebraucht und sicher kontrolliert werden kann. Wer beispielsweise nie extrem tief rutscht, muss diese Position auch nicht erzwingen.
Eine sinnvolle Routine
Eine kurze Routine kann aus fünf Bausteinen bestehen:
- lockere Ganzkörperbewegung, um Temperatur aufzubauen,
- kontrollierte Hüftrotationen,
- Ausfallschritte mit Oberkörperdrehung,
- Schulterkreisen und aktive Armbewegungen,
- Sprunggelenkbewegungen und leichte Split-Step-Bewegungen.
Vor dem Tennis sollten die Übungen überwiegend dynamisch sein. Lange passive Dehnpositionen passen eher in eine separate Beweglichkeitseinheit oder an das Trainingsende, wenn sie sich angenehm anfühlen.
Wie häufig sollte Beweglichkeit trainiert werden?
Es braucht keine langen Einheiten. Kurze, regelmäßige Routinen sind meist praktikabler als seltene intensive Programme. Fünf bis zehn Minuten vor dem Tennis und zusätzlich kleine Mobilitätsblöcke an trainingsfreien Tagen können bereits helfen, Bewegungsqualität bewusst zu pflegen. Entscheidend ist Kontinuität, nicht Härte.
Wann Vorsicht sinnvoll ist
Beweglichkeitstraining darf ziehen, sollte aber nicht schmerzhaft sein. Bei anhaltenden Schmerzen, deutlichen Bewegungseinschränkungen oder bekannten Gelenkproblemen sollte nicht versucht werden, eine Position mit Gewalt zu erzwingen. Dann ist eine individuelle fachliche Abklärung sinnvoll.
Was für mehr Beweglichkeit zählt
Gute Beweglichkeit im Seniorentennis bedeutet nicht, möglichst flexibel zu sein. Sie bedeutet, die für das eigene Spiel wichtigen Positionen kontrolliert, entspannt und wiederholbar erreichen zu können. Wer Hüfte, Oberkörper, Schulter und Sprunggelenk regelmäßig bewegt, schafft eine bessere Grundlage für Technik, Beinarbeit und ein ökonomisches Spiel.