Fünf Beinarbeitsspiele, die sich direkt aufbauen lassen
Ein Kind erreicht den Ball, steht beim Schlagen aber zu dicht daran. Ein anderes bleibt nach dem Treffer stehen und kommt zum nächsten Ball zu spät. Für solche Situationen helfen konkrete Bewegungsaufgaben: rechtzeitig starten, kontrolliert ankommen und wieder bereit sein. Die folgenden fünf Spiele setzen jeweils einen anderen Schwerpunkt. Du kannst eines davon auswählen, statt alle fünf in eine Trainingsstunde zu packen.
Die Spielideen stammen aus unserer bestehenden Übungssammlung; Aufbau und Varianten sind redaktionelle Trainingsvorschläge, kein festes Verbandsprogramm. Der fachliche Rahmen passt zum Bewegungszyklus im ITF-Tennis10s-Handbuch: bereit sein, zum Ball laufen, in Balance spielen und eine passende Position für den nächsten Ball finden.
Vor dem Start: Platz, Material und eine klare Aufgabe
Für die Grundformen reichen flache Bodenmarkierungen und gut kontrollierbare Bälle. Der Schattenlauf braucht keinen Ball. Beginne die Fangspiele ohne Schläger; nimm ihn dazu, wenn Laufweg und Ballannahme gelingen. Für Schlagvarianten wählst du Ball, Schläger und Feld passend zum Können. Kleinere Felder und langsamere Bälle sind auch die Grundlage von ITF Tennis Play and Stay.
- Prüfe den Untergrund und halte Laufwege frei von losen Bällen, Körben und Schlägern. Markierungen müssen flach und rutschfest liegen; niemand muss auf eine Markierung treten.
- Trenne die Übungsflächen und Warteplätze. Mit Schläger braucht jedes Kind zusätzlich freien Raum für den vollständigen Schwung. Niemand sammelt während eines laufenden Durchgangs Bälle zwischen den Spielenden.
- Zeige den Ablauf einmal langsam. Vereinbart ein Stoppsignal und übt zunächst ohne Zeitdruck. Gib pro Durchgang nur einen Beobachtungsauftrag, etwa: „Komm so an, dass du den Ball vor dir fangen kannst.“
1. Farbenstart: das Signal sehen und zum Ball kommen
Lege drei unterschiedlich erkennbare Markierungen links, rechts und etwas vor die Ausgangsposition. Sie begrenzen Fangzonen; sie sind keine Ziele zum Drauftreten. Wähle die Entfernung so, dass das Kind jede Zone mit wenigen kontrollierten Schritten erreicht. Du stehst ihm gegenüber und hast einen Ball sowie passende Farbkarten griffbereit.
Zeige eine Farbe und wirf den Ball gut erreichbar in diese Zone. Das Kind startet zur Flugbahn, fängt nach dem Aufsprung, gibt den Ball zurück und orientiert sich wieder zur Mitte. Erst wenn es bereit ist, folgt der nächste Wurf. Später kommt ein kleiner Split-Step hinzu: ein flacher Bereitschaftssprung um den Moment des Abwurfs, kein hoher Sprung nach dem Signal. Farbe und Wurf zeigen immer dieselbe Richtung.
Zum Einstieg kündigst du die Farbe früher an oder erlaubst einen weiteren Aufsprung. Wird die Aufgabe sicher gelöst, zeigst du die Karte erst unmittelbar beim Wurf. Nicht gleichzeitig weiter und schneller werfen. Falls Farben schwer zu unterscheiden sind, ergänze gut erkennbare Formen oder einen Richtungsruf. Solche Anpassungen und eine verwandte Farbaufgabe beschreibt das LTA Primary Skills Festival.
Achte darauf, ob das Kind die Richtung abwartet und vor dem Fangen langsamer wird. Springt es hoch oder läuft regelmäßig am Ball vorbei, lass den Split-Step zunächst weg und vereinfache den Wurf. Mit Schläger folgt später ein kontrollierter Schlag in ein großes Ziel anstelle des Fangens.

2. Schattenlauf mit Abstand: miteinander in Bewegung bleiben
Markiere zwei parallele seitliche Laufbahnen. Die Kinder stehen sich ohne Schläger gegenüber, mit einer freien Sicherheitszone zwischen den Bahnen. Ihre Wege dürfen sich auch beim Richtungswechsel nicht kreuzen. Anfangs reichen kurze Strecken, auf denen sich beide in ihrer eigenen Bahn bequem seitwärts bewegen können.
Ein Kind führt mit ruhigen Seitwärtsschritten, das andere spiegelt die Bewegung wie ein Schatten. Beide bewegen sich dabei in dieselbe Richtung auf dem Platz und halten den Abstand zueinander. Nach beispielsweise zwanzig Sekunden folgt eine Pause, dann werden die Rollen getauscht. Ziel ist, zusammenzubleiben – nicht den Partner durch plötzliche Sprints abzuhängen.
Wird der Abstand ständig größer, verkürzt die Bahn und reduziert das Tempo. Als nächste Schwierigkeit darf das führende Kind innerhalb der Begrenzung die Richtung freier wechseln. Für kurze Wege sind Seitwärtsschritte gut überschaubar; bei längeren Wegen darf eine passende Lauf- oder Überkreuzbewegung entstehen. Erzwinge keine einzige Schrittfolge für jede Entfernung.
Beobachte, ob die Kinder einander ansehen und einen Richtungswechsel ohne Zusammenstoß oder hektisches Stolpern mitmachen. Das Spiel bereitet Reaktion auf Bewegung vor. Für den Bezug zum Ball folgt danach eine der Fang- oder Schlagaufgaben.
3. Vor, stoppen, zurück: kurz und lang unterscheiden
Lege eine vordere Fangzone und eine zweite, etwas tiefere Zone an. Das Kind startet dazwischen. Die Strecke bleibt zunächst klein; hinter der tieferen Zone muss genügend freier Auslauf sein. Du wirfst von vorn und wartest zwischen den Zuspielen auf eine kontrollierte Ausgangslage.
Der erste Ball kommt kurz. Das Kind läuft nach vorn, verkleinert die letzten Schritte und fängt nach dem Aufsprung in Balance. Es gibt den Ball zurück. Nun zeigst du die tiefere Zone an. Das Kind dreht sich seitlich, versetzt sich kontrolliert nach hinten und richtet sich wieder zu dir aus. Erst dann wirfst du den zweiten Ball in die tiefere Zone. So wird die räumliche Rückwärtsbewegung geübt, ohne blind rückwärts zu sprinten oder im Rückwärtsfallen schlagen zu müssen.
Wenn beide Wege gelingen, wird aus Fangen ein Schlag in ein großes Ziel. Ein Trainer kann anschließend früher zuspielen, sobald das Kind den tieferen Ball sicher verfolgt und kontrolliert erreicht. Der Wechsel bleibt zunächst vorhersehbar; erst später werden kurze und tiefere Zuspiele gemischt.
Das Lernziel ist an den letzten Schritten zu erkennen: Kann das Kind vor dem Kontakt abbremsen und danach weiterlaufen? Ein starr ausgestrecktes Stoppbein oder ein Treffer im Fallen sind Gründe, Tempo und Entfernung zu reduzieren. Den Zusammenhang von Abbremsen, zusätzlichen Schritten und Balance beschreibt auch die ITF in Fitness Training, Übung „Ball Drops“; daraus folgt keine einheitliche Belastungsvorgabe für Kinder.
4. Insel-Rückkehr: nach dem Ball wieder bereit sein
Markiere eine kleine „Insel“ als Orientierungsbereich in der Ausgangsposition. Für den Einstieg liegt sie ungefähr mittig hinter dem bespielten kleinen Feld. Sie ist groß genug, dass das Kind nicht nach einer exakten Fußposition suchen muss. Zuspiel und Rückkehr sollen einen flüssigen Ablauf bilden.
Wirf abwechselnd gut erreichbare Bälle nach links und rechts. Nach dem Fangen gibt das Kind den Ball zurück, bewegt sich in Richtung Insel und schaut wieder zu dir. Warte mit dem nächsten Zuspiel, bis es bereit ist. Es muss weder einen Punkt berühren noch auf der Insel stehen bleiben. Mit Schläger gilt derselbe Ablauf nach dem eigenen Schlag.
Bleibt das Kind am Treffpunkt stehen, erinnere mit „bereit für den nächsten Ball“ an die zweite Hälfte der Aufgabe. Wird daraus nur hektisches Pendeln, verkürze den Weg oder vergrößere den Orientierungsbereich. Später verschiebst du die Insel zwischen den Durchgängen passend zu einer veränderten Spielsituation. Erkläre dabei: Nach einem anderen eigenen Schlag kann auch eine andere Rückkehrposition sinnvoll sein. Die Platzmitte ist eine Einstiegshilfe, kein Ziel für jeden Ballwechsel.
5. Balljäger mit Entscheidung: reagieren und eine freie Seite erkennen
Du hältst zwei Bälle sichtbar, das Kind steht dir aufmerksam gegenüber. Es weiß noch nicht, ob du nach links oder rechts werfen wirst. Wirf immer nur einen Ball; der andere bleibt in deiner Hand. Beide möglichen Fangzonen liegen in einem sicher erreichbaren Bereich.
Das Kind reagiert auf den Wurf, fängt nach einem Aufsprung und orientiert sich wieder zu dir. Entscheidend ist der erste Schritt nach dem erkennbaren Signal, nicht ein zufällig richtig geratener Frühstart. Für den Einstieg kündigst du die Seite an. Später fällt diese Hilfe weg; mehr Entfernung ist dafür nicht nötig.
Eine zweite Entscheidung kommt erst dazu, wenn das Fangen gelingt: Markiere hinter dir zwei Zielhälften und stehe vor dem Wurf deutlich vor einer davon. Nach dem Fangen schaut das Kind auf deine Position, nennt die freie Hälfte und wirft dorthin zurück. Du bleibst dabei außerhalb der Wurfbahn. So wird aus „Ball holen“ eine Aufgabe mit Blick für den freien Raum.
Für geübtere Kinder lässt sich die Folge mit Schläger über ein Kleinnetz spielen. Sie sollen deine Position vor dem Schlag wahrnehmen und in die freie Hälfte zielen; der anschließende Ruf zeigt, welche Seite sie gewählt haben. Wenn die Zusatzentscheidung den Ballkontakt überfordert, bleib bei der Fangversion. Ein ruhiger vollständiger Ablauf ist hier wertvoller als ein schneller Treffer ohne Orientierung.
Kurze Durchgänge und ein erkennbarer Fortschritt
Probiere zunächst einen kurzen Durchgang, zum Beispiel zwanzig bis vierzig Sekunden oder wenige Ballfolgen. Das ist ein Startvorschlag, keine Mindestdauer und kein Leistungstest. Danach folgt eine Erholungspause. Wiederholt erst, wenn das Kind wieder aufmerksam und kontrolliert beginnen kann. Bei Stolpern, deutlich unsauberen Bewegungen, Schmerzen oder Unwohlsein wird unterbrochen; nicht noch schnell die Zeit vollmachen.
Besprich nur das jeweilige Ziel: Wurde die Richtung erkannt? Kam das Kind vor dem Ballkontakt in Balance? War es anschließend wieder bereit? Lass es sagen, was ihm geholfen hat. Verändere beim nächsten Durchgang nur eine Sache – etwa die Signalzeit oder die Fangaufgabe. Mehr Tempo ist nicht automatisch der nächste sinnvolle Schritt.
Die fünf Spiele sind Bausteine für eine Trainingsstunde, kein zusätzliches Konditionsprogramm. Wer zunächst die einzelnen Bewegungsbausteine verstehen möchte, findet sie im Grundlagenratgeber zur Beinarbeit im Kindertennis.