Koordination üben: mit einer klaren Aufgabe und einem Ball
Ein Kind kann schnell durch eine Leiter laufen und trotzdem zu spät auf einen zugespielten Ball reagieren. Im Tennis kommt es darauf an, den Ball zu verfolgen, sich passend zu bewegen und aus einer kontrollierten Position weiterzuspielen. Werfen, Fangen und kleine Sprünge lassen sich dafür zu überschaubaren Aufgaben verbinden. Die Übungen unten zeigen jeweils den Aufbau, eine Erleichterung und einen nächsten Schritt.
Gedacht sind sie für Kindertrainer und angeleitete Kindergruppen. Maßgeblich ist, was die Kinder schon sicher bewältigen, nicht ein starres Altersschema. Es geht weder um einen Koordinationstest noch um ein zusätzliches Athletikprogramm. Das ITF-Tennis10s-Handbuch, Seiten 27–28, beschreibt das Zusammenspiel von Ballwahrnehmung, Bewegung, Gleichgewicht und erneuter Orientierung. Die folgenden Abläufe sind darauf aufbauende redaktionelle Übungsvorschläge.
So organisierst du die Gruppe ohne lange Wartezeiten
Teile den verfügbaren Platz in gut erkennbare Übungsräume auf. Jedes Paar erhält einen Ball und bleibt in seinem Bereich. Dazwischen muss genug freier Raum sein, damit auch ein ungenauer Wurf oder ein zusätzlicher Schritt nicht in der nächsten Übung landet. Nutze vorhandene Linien oder flach aufliegende, für den Untergrund geeignete Markierungen. Taschen, Ballkörbe und unbenutzte Schläger gehören aus den Laufwegen.
- Zeigen statt lange erklären: Führe den Ablauf einmal vor und gib nur einen Beobachtungsauftrag, etwa „Wirf so, dass dein Partner den Ball vor sich fangen kann“.
- Bereitschaft abwarten: Geworfen wird erst, wenn der Partner hinsieht und bereit ist. Zuspiele bleiben weich und kontrolliert; niemand zielt auf das Gesicht.
- Ein Stoppsignal vereinbaren: Auf das Signal halten alle an und sichern ihren Ball. Erst danach werden verirrte Bälle eingesammelt. Kein Kind läuft einem Ball durch eine aktive Nachbarbahn hinterher.
- Aufsicht und Platz prüfen: Untergrund, Schuhe, Abstände und Gruppengröße müssen die Aufgabe zulassen. Die Aufsichtsregeln des Vereins gelten auch bei Partnerarbeit.
Beginne mit einem kurzen Probedurchgang. Wenn mehrere Kinder nur hinterherlaufen oder Bälle kaum erreichen, ändere zuerst das Zuspiel oder den Aufbau. Eine zusätzliche Erklärung über Arm- und Beinstellung löst dieses Problem meist nicht.
Werfen und Fangen: den Ball gemeinsam kontrollieren

Aufbau: Zwei Kinder stehen sich mit einem weichen, gut greifbaren Ball gegenüber. Wähle die Entfernung so, dass ein lockerer Unterhandwurf ankommt. Eine breite, flach markierte Fangzone vor jedem Kind macht sichtbar, wohin geworfen werden soll. Die Aufgabe beginnt ohne Schläger.
Ablauf: Das erste Kind wirft in einem ruhigen Bogen zum fangbereiten Partner. Dieser verfolgt den Ball, geht bei Bedarf einen kleinen Schritt in seine Flugrichtung und fängt ihn mit beiden Händen vor dem Körper. Erst wenn es wieder sicher steht und der Partner bereit ist, wirft es zurück. Zählt zunächst gelungene Zuspiele gemeinsam: Nicht der schwierigste Wurf gewinnt, sondern ein Ball, mit dem der andere etwas anfangen kann.
Leichter: Rückt bei ungenauen Würfen etwas näher zusammen und werft entsprechend sanfter, sodass genug Zeit zum Fangen bleibt. Alternativ könnt ihr einen größeren, leichten Ball nehmen oder einen Aufsprung vor dem Fangen vereinbaren. Passt auch das noch nicht, rollt den Ball zunächst am Boden hin und her. Ein Fangfehler liegt nicht zwangsläufig am fangenden Kind: Prüfe immer auch, ob der Wurf erreichbar und ausreichend langsam war.
Nächster Schritt: Wirf abwechselnd etwas kürzer oder ein kleines Stück seitlich in den vereinbarten Bereich. Das fangende Kind muss seinen Standort anpassen. Verändere zunächst nur diese Richtung oder Weite, nicht gleichzeitig das Tempo und die Fangregel. Eine später hinzugenommene Richtungsansage ist eine eigene Variante; sie soll nicht mit mehreren weiteren Signalen überladen werden.
Darauf schaust du: Verfolgt das Kind den Ball? Kommt es zum Fangen, ohne sich weit aus dem Gleichgewicht zu strecken? Gelingt ein kontrollierter Rückwurf? Ein konkretes Lob hilft: „Du bist zum Ball gegangen und konntest ihn ruhig zurückwerfen.“ Für spielerische Wurf- und Fangaufgaben nennt auch die LTA Tennisbälle oder größere Bälle als mögliche Ausgangspunkte.
Springen und Landen: erst sicher stehen, dann weiter
Aufbau: Jedes Kind steht mit freiem Platz um sich neben einer Bodenlinie. Hürden und erhöhte Absprungflächen sind nicht nötig. Prüfe zunächst, ob kleine Sprünge auf dem vorhandenen Untergrund sicher möglich sind.
Ablauf: Das Kind springt mit beiden Füßen knapp über die Linie und bleibt anschließend stehen. Das Lernbild lautet: „Lande leise und finde deinen Stand.“ Es geht nicht um Höhe oder möglichst viele Sprünge. Beobachte, ob das Kind die Landung kontrolliert, ohne wegzurutschen oder unkontrolliert zur Seite zu kippen. Ein neuer Versuch beginnt erst aus einem sicheren Stand.
Leichter: Über die Linie steigen statt springen. Die Aufgabe bleibt sinnvoll: auf der anderen Seite ankommen und sich ausbalancieren. Mache daraus keine Strafe und keinen Vergleich mit den Kindern, die schon springen.
Nächster Schritt: Nach der stabilen Landung wirft ein Partner einen weichen Ball leicht seitlich zu. Das Kind bewegt sich hin, fängt und wirft kontrolliert zurück. Der Partner wartet ausdrücklich auf den sicheren Stand; Landung und Fangaufgabe werden nicht gleichzeitig erzwungen. Rollen tauschen, sobald der kurze Durchgang beendet ist.
Reagieren: die Richtung aus dem Ballflug erkennen
Aufbau: Markiere vor dem fangenden Kind zwei gut erreichbare Zielbereiche, einen leicht rechts und einen leicht links. Der Zuspieler steht gegenüber. Die Bereiche müssen innerhalb derselben freien Übungsbahn bleiben; sie sind keine Aufforderung zu weiten Sprints.
Ablauf: Der Zuspieler wirft langsam in einen der beiden Bereiche. Das Kind liest die Flugrichtung, bewegt sich dorthin und fängt nach einem vereinbarten Aufsprung oder direkt. Es wirft zurück und orientiert sich wieder ungefähr zwischen den beiden Bereichen. Der nächste Ball kommt erst, wenn beide bereit sind.
Leichter: Kündige die Seite vor dem Wurf an, spiele näher zum Kind oder erlaube einen zusätzlichen Aufsprung. Schwerer: Lass die Ankündigung weg, während Entfernung, Ball und Tempo unverändert bleiben. Der Unterschied liegt nun in der Entscheidung, nicht in einem plötzlich kaum erreichbaren Ball.
Ein Farb- oder Zurufsignal kann eine einfache Einstiegsaufgabe sein. Für den Tennisbezug sollte anschließend der ankommende Ball die Information liefern. Später kommen Hinweise aus der Schlägerbewegung und der Position des Gegenübers hinzu. Du kannst etwa zunächst ohne Ball zwei Zielräume zeigen und einen davon besetzen: Das Kind benennt die freie Seite. In einer anschließenden einfachen Ballaufgabe versucht es, dorthin zurückzuspielen. Füge diese Auswahl erst hinzu, wenn Ankommen und Ballkontrolle bereits gelingen.
Vom Fangspiel zum kleinen Ballwechsel
Markiere zwei kleine Felder, getrennt durch eine Bodenlinie. Zwei Kinder spielen sich den Ball mit Unterhandwürfen zu. Er soll im anderen Feld einmal aufspringen und anschließend gefangen werden. Nach dem Fangen hält das Kind kurz an, richtet sich aus und wirft zurück. Startet kooperativ: Wie lange bleibt der gemeinsame Ballwechsel in Gang? Fangregel und Feldgröße dürfen so einfach sein, dass beide beteiligt bleiben.
Wenn der Ablauf trägt, kann zunächst ein Kind einen passend langsamen Tennisball mit einem kindgerechten Schläger sanft hinüberspielen; der Partner fängt und wirft zurück. Danach wechseln die Rollen. Zwei Schläger kommen hinzu, wenn beide den Ball in dieser kleinen Spielsituation kontrollieren können. Ein einfacher Ballwechsel ist wichtiger als eine lange Sammlung isolierter Vorübungen. Kleinere Spielflächen und langsamere Bälle gehören zum Play-and-Stay-Ansatz der ITF.
Die genaue Schlagvermittlung bleibt ein eigener Schritt. Dazu passt der Beitrag Vorhand und Rückhand kindgerecht vermitteln. Hier steht weiter die Folge im Mittelpunkt: Ball sehen, passend ankommen, kontrolliert weiterspielen und erneut bereit sein.
Unterschiedliches Können: dieselbe Idee, andere Schwierigkeit
Nicht alle Paare brauchen dieselbe Entfernung oder Fangregel. Ein Kind kann bereits vor dem Körper fangen, während ein anderes mehr Zeit nach dem Aufsprung benötigt. Beide arbeiten an derselben Aufgabe. Verändere gezielt eine Bedingung und beobachte, ob dadurch mehr kontrollierte Versuche entstehen.
- Wenig Zeit am Ball: kürzere Laufstrecke, langsameres Zuspiel oder ein zusätzlicher Aufsprung.
- Unsicheres Greifen: einen größeren, leichten Ball probieren und zunächst beide Hände verwenden.
- Unsichere Landung: Sprungweite verringern oder über die Linie steigen; die zusätzliche Ballaufgabe zunächst weglassen.
- Die Richtungswahl überfordert: erst eine bekannte Seite, dann zwei mögliche Seiten anbieten.
- Die Aufgabe ist zu leicht: eine kleine Veränderung von Richtung oder Zielzone einbauen, bevor du Tempo hinzufügst.
Bei besonderen Bewegungs- oder Wahrnehmungsvoraussetzungen klärst du mit dem Kind und den zuständigen Bezugspersonen, welche Anpassung passt. Eine Fangaufgabe kann beispielsweise auch im Sitzen oder ohne Laufanteil stattfinden. Nicht jede Variante eignet sich für jedes Kind. Die LTA-Materialien zum Primary Skills Festival zeigen, wie Raum, Aufgabe, Material und Zusammenarbeit angepasst werden können.
Ein Zehn-Minuten-Beispiel für die Trainingsstunde
Wenn der Aufbau schon steht und die Kinder die Abläufe kennen, kannst du einen kurzen Block so gliedern. Die Zeiten schließen kurze Erklärungen, Rollenwechsel und kleine Pausen ein. Sie sind ein Planungsbeispiel, keine Mindestdauer und kein nachgewiesenes Idealpensum.
- Etwa zwei Minuten werfen und fangen: mit einer gut lösbaren Variante beginnen und das Zuspiel abstimmen.
- Etwa drei Minuten bewegen und landen: Linie übersteigen oder überspringen; nur bei sicherer Landung einen seitlichen Ball ergänzen.
- Etwa drei Minuten auf den Ball reagieren: zwei erreichbare Richtungen, zunächst bei Bedarf mit Ankündigung.
- Etwa zwei Minuten spielen: das Gelernte im kleinen Wurf-/Fangspiel oder einfachen Ballwechsel anwenden.
Braucht die Gruppe länger, lass eine Variante weg, statt die Kinder durch den Aufbau zu hetzen. Eine neue Aufgabe lässt sich auch in einer späteren Stunde einführen. Der kurze Block ersetzt weder die passende Vorbereitung auf die Stunde noch notwendige Trink- und Erholungspausen.
Fortschritt erkennen und rechtzeitig vereinfachen
Beobachte pro Durchgang nur wenige Dinge: War der Wurf für den Partner erreichbar? Kam das Kind kontrolliert zum Fangen? Fand es nach der Landung einen sicheren Stand? Vergleiche mehrere Versuche unter ähnlichen Bedingungen mit der eigenen bisherigen Ausführung, nicht mit dem schnellsten Kind der Gruppe.
Notiere bei Bedarf kurz die verwendete Variante und eine Beobachtung, etwa: „Mit einem Aufsprung gelingt das Fangen vor dem Körper; ohne Aufsprung greift das Kind noch oft hinter sich.“ Beim nächsten Termin kannst du genau dort anknüpfen. Eine Fangserie ist ein gemeinsamer Spielwert, kein normierter Test und kein Beleg für späteres Tennistalent.
Lass unterschiedliche Bewegungswege zu, solange die Aufgabe sicher und kontrolliert gelingt. Korrigiere nicht gleichzeitig Füße, Knie, Hände und Blick. Benenne eine hilfreiche Beobachtung oder ändere die Schwierigkeit. Wiederholter Kontrollverlust, deutliche Überforderung oder fehlende Aufmerksamkeit sind Gründe für eine Pause oder eine einfachere Aufgabe.