Wer Tennis beginnt, sieht schnell eine lange Aufgabenliste: Vorhand, Rückhand, Aufschlag, Return, Volley, Schmetterball und am besten sofort noch Topspin. Die sinnvolle Reihenfolge ist deutlich kürzer. Anfänger brauchen zuerst Schläge, mit denen sie einen Ballwechsel beginnen, kontrollieren und beenden können. Perfekte Technik ist dabei noch nicht das Ziel. Entscheidend ist eine belastbare Grundbewegung, die unter einfachen Bedingungen funktioniert.
Der beste Einstieg folgt deshalb nicht dem Motto „erst jeden Schlag isoliert beherrschen, dann spielen“. Sinnvoller ist ein Wechsel aus kurzen technischen Aufgaben und frühen Ballwechseln. Genau dieses Prinzip verfolgt auch Tennis Play and Stay: Anfänger sollen möglichst früh aufschlagen, miteinander spielen und zählen können. Langsamere Bälle und ein verkürztes Feld erleichtern den Weg dorthin.
1. Zuerst den Ball kontrolliert treffen
Bevor Vorhand und Rückhand groß aussehen, müssen drei Grundlagen stimmen: Du erkennst die Flugbahn, bewegst dich in eine passende Distanz zum Ball und triffst ihn vor dem Körper. Beginne im Aufschlagfeld mit kurzen Ausholbewegungen. Ein Partner wirft oder spielt den Ball langsam zu. Deine Aufgabe lautet nicht „hart schlagen“, sondern zehn kontrollierbare Bälle nacheinander über das Netz bringen.
In dieser Phase lernst du bereits mehr als eine Schlagbewegung. Du entwickelst Ballgefühl, Treffpunkt und Dosierung. Das sind die Bausteine, auf denen alle späteren Grundschläge aufbauen. Wenn du den Schläger fest umklammerst oder jeden Ball maximal beschleunigst, wird diese Rückmeldung undeutlich.
2. Vorhand und Rückhand parallel entwickeln
Die Vorhand fühlt sich für viele Anfänger zunächst natürlicher an. Trotzdem sollte die Rückhand nicht wochenlang warten. Im Match lässt sich die Rückhandseite nicht dauerhaft umgehen. Lerne beide Grundschläge parallel, zunächst mit derselben einfachen Aufgabe: stabile Ausgangsposition, frühe Vorbereitung, Treffpunkt vor dem Körper und ein ruhiger Ausschwung in Zielrichtung.
Eine praxistaugliche Reihenfolge innerhalb jeder Einheit ist:
- fünf bis zehn Schläge aus dem eigenen Anspiel ohne Laufweg,
- zugespielte Bälle mit kleinen Anpassungsschritten,
- abwechselnd Vorhand und Rückhand,
- kooperative Ballwechsel im kleinen Feld,
- einfaches Punktspiel mit großem Zielfeld.
Ob du die Rückhand ein- oder beidhändig spielst, sollte früh mit einem Trainer geklärt werden. Für den Einstieg ist nicht die vermeintlich elegantere Variante entscheidend, sondern eine Lösung, die du stabil kontrollieren kannst.
3. Den Aufschlag früh, aber kompakt einbauen
Der Aufschlag gehört von Beginn an dazu, weil jeder Punkt mit ihm startet. Du musst jedoch nicht sofort die vollständige Bewegung von der Grundlinie beherrschen. Beginne näher am Netz, nutze eine verkürzte Bewegung und konzentriere dich auf Ballwurf, hohen Treffpunkt und Rhythmus. Sobald der Ball regelmäßig diagonal im Aufschlagfeld landet, vergrößerst du die Distanz.
Ein langsamer, sicherer Aufschlag ist für den ersten Matchversuch wertvoller als ein schneller erster Aufschlag mit vielen Doppelfehlern. Trainiere deshalb früh auch den zweiten Aufschlag als eigene Aufgabe: ausreichend Höhe über dem Netz, großes Ziel und eine Geschwindigkeit, die du wiederholen kannst.
4. Return und Volley aus Spielsituationen lernen
Der Return ist technisch mit Vorhand oder Rückhand verwandt, stellt aber eine andere Aufgabe: Du hast weniger Zeit und brauchst eine kürzere Vorbereitung. Sobald ein Partner einfache Aufschläge ins Feld bringt, solltest du Returns üben. Blocke den Ball zunächst kontrolliert zurück, statt eine große Grundschlagbewegung zu erzwingen.
Der Volley folgt, wenn du kurze Ballwechsel kontrollieren kannst. Starte nahe am Netz mit einem zugespielten Ball. Der Schläger bleibt vor dem Körper, der Ausschwung klein. Der Volley ist für Anfänger nützlich, weil er ein wichtiges Prinzip verdeutlicht: Nicht jeder Ball braucht eine große Bewegung. Einen Schmetterball kannst du später ergänzen, wenn Überkopfbewegung und Orientierung unter dem Ball sicherer sind.
5. Erst Kontrolle, dann Richtung, Länge und Tempo
Viele Anfänger versuchen zu früh, Spin und Geschwindigkeit zu maximieren. Eine bessere Lernfolge lautet:
- Kontrolle: Der Ball landet wiederholt im großen Feld.
- Richtung: Du kannst bewusst cross oder durch die Mitte spielen.
- Länge: Du spielst aus dem Aufschlagfeld schrittweise Richtung Grundlinie.
- Flughöhe: Du nutzt ausreichend Abstand zum Netz.
- Tempo und Spin: Du beschleunigst, ohne den Treffpunkt zu verlieren.
Wechsle erst zur nächsten Stufe, wenn ungefähr sieben von zehn Versuchen die aktuelle Aufgabe erfüllen. Das ist keine Prüfung, sondern eine einfache Orientierung. An schlechten Tagen darfst du die Aufgabe wieder leichter machen.
Ein sinnvoller Plan für die ersten Wochen
In den ersten Einheiten sollten Vorhand, Rückhand, Beinarbeit und einfache Ballwechsel den größten Raum erhalten. Ergänze jedes Training um wenige Minuten Aufschlag. Sobald du im verkürzten Feld aufschlagen, returnieren und einen Ballwechsel beginnen kannst, spielst du erste Punkte. Danach wächst das Feld schrittweise.
Eine Einheit muss nicht alle Schläge enthalten. Zwei klare Schwerpunkte reichen. Beispiel: Vorhand und Beinarbeit am Dienstag, Rückhand und Aufschlag am Wochenende. Halte am Ende zehn Minuten für Punkte frei. So lernst du, Technik unter Entscheidung und Zeitdruck einzusetzen. Weitere Orientierung für den Einstieg bietet der Beitrag Tennis beginnen Schritt für Schritt.