Eine Aufgabe, die das Kind sehen und ausprobieren kann
„Mehr drehen, früher ausholen, Knie beugen!“ – nach mehreren Hinweisen zugleich weiß ein Kind oft nicht, womit es anfangen soll. Für die ersten Vorhand- und Rückhandschläge hilft eine überschaubare Aufgabe: Platz zum Ball schaffen, ihn in einem gut erreichbaren Bereich treffen und in eine große Zielzone spielen. Ein Lernbild gibt dieser Aufgabe einen Namen. Es ersetzt weder das Vormachen noch den Blick darauf, was beim Kind tatsächlich passiert.
Die drei Bilder unten sind Vorschläge für deine Trainingssprache, keine vorgeschriebene Schlagtechnik. Wähle zunächst das Bild, das zum beobachteten Problem passt. Vorhand und Rückhand dürfen früh nebeneinander vorkommen; keine Seite muss erst perfekt sein. Für die Schlagtechnik selbst findest du vertiefende Übungen in unseren Beiträgen zur Vorhand für Kinder und zur ein- und beidhändigen Rückhand.
Baue die Aufgabe so auf, dass ein Treffer möglich wird
Nutze ein überschaubares Feld, einen passenden Kinderschläger und einen langsameren, zum Lernstand passenden Ball. Das Kind soll den Ball erreichen können, ohne ständig hektisch hinterherzulaufen. Die ITF-Initiative Tennis Play and Stay setzt dafür auf angepasste Bälle und Spielfelder. Wähle zunächst eine große Landezone statt eines kleinen Punktziels.
Spiele oder wirf den Ball anfangs berechenbar zu und lass ihn vor dem Schlag aufspringen. Zeige die Aufgabe einmal kurz. Danach bekommt das Kind mehrere Versuche mit demselben Schwerpunkt. In einer Gruppe üben die Kinder nur in getrennten, beaufsichtigten Bereichen; niemand wartet im Schlägerkreis oder läuft zum Sammeln durch eine laufende Übung. Lose Bälle werden nach einem gemeinsamen Stopp weggeräumt. Markierungen dürfen nicht zur Stolperfalle werden.
Lernbild 1: Lass eine Tür zwischen dir und dem Ball offen

Dieses Bild passt, wenn der Ball dem Kind zu nahe kommt und der Schläger keinen Platz hat. Gemeint ist eine gedachte Tür an der Schlagseite: Zwischen Rumpf und Ball bleibt Raum für eine freie Bewegung. Das Kind bewegt sich zum Ball, aber nicht so dicht an ihn heran, dass es sich beim Schlag selbst im Weg steht.
So probiert ihr es aus: Spiele zunächst langsam auf dieselbe Seite zu. Das Kind richtet seinen Abstand mit kleinen Schritten ein und schlägt in die große Zielzone. Wenn Ankommen und Schlagen noch zu viel auf einmal sind, lass es den Abstand zuerst ohne Schlag finden und zeige dort die Schlägerbewegung. Anschließend verbindet ihr beides wieder. Ein bewusster Halt ist hier nur eine Vereinfachung, keine Regel, nach der Kinder beim Tennis immer stehen bleiben müssten.
Darauf schaust du: Kann das Kind den Ball ohne eingeklemmten Arm erreichen und nach dem Schlag im Gleichgewicht bleiben? Klebt der Ball weiter am Körper, mache das Zuspiel langsamer und vorhersehbarer. Muss sich das Kind dagegen stark strecken, ist mehr Abstand gerade nicht die Lösung. Passe die Aufgabe an, statt die gedachte Tür immer größer zu machen.
Lernbild 2: Triff vor deinem Seitenfenster
Ein Seitenfenster hilft, wenn das Kind den Ball häufig zu spät oder hinter sich trifft. Zeige einen gut erreichbaren Bereich seitlich und etwas vor dem Körper. Es geht um ein Trefffenster, nicht um einen winzigen Punkt und auch nicht darum, den Ball direkt vor dem Bauch zu schlagen. Vorhand, einhändige und beidhändige Rückhand brauchen nicht exakt denselben Abstand.
So probiert ihr es aus: Lass das Kind die Bewegung zunächst langsam ohne Ball zeigen. Spiele dann so zu, dass das Kind den Ball nach dem Aufsprung gut erreichen kann. Die Aufgabe lautet: „Lass den Ball in dein Seitenfenster kommen.“ Auf der anderen Schlagseite zeigt ihr das Fenster neu. Verändere dabei nicht gleichzeitig Griff, Beinarbeit und Ausholbewegung.
Darauf schaust du: Liegt der Treffbereich wiederholt seitlich vor dem Körper, ohne dass das Kind dem Ball nur noch hinterhergreift? Kommt es ständig zu spät, überprüfe zuerst Tempo, Höhe und Entfernung deines Zuspiels. Ein kleineres Feld oder ein geeigneter langsamerer Ball kann die Aufgabe zugänglicher machen. Die DTB-Kompetenzen für die Stufe Rot nennen einen Treffpunkt vor dem Körper und einen passenden Abstand als Lernziele; sie schreiben keine für jedes Kind identische Zentimeterposition vor.
Lernbild 3: Spiele durch ein Flugfenster
Hat das Kind Platz zum Schlagen, richtet ihr den Blick auf den Ballflug. Stellt euch über dem vorhandenen Netz ein breites Flugfenster vor. Dahinter liegt eine große Landezone. Der Ball soll durch das gedachte Fenster fliegen und in dieser Zone aufspringen. So gehören Höhe und Länge von Anfang an zusammen.
So probiert ihr es aus: Zeige mit einem ruhigen Zuspiel, welchen Flugweg du meinst. Das Kind versucht es zunächst von derselben Position. Nach mehreren Bällen entscheidet ihr gemeinsam: War das Fenster gut erreichbar? War die Landezone groß genug? Erst wenn die Aufgabe gelingt, kommt beispielsweise eine andere Richtung hinzu. Zusätzliche gespannte Bänder braucht ihr für dieses Bild nicht.
Darauf schaust du: Erreicht der Ball die Zone, ohne dass das Kind nur eine bestimmte Endhaltung nachstellt? Ein hoher Ball ist nicht automatisch ein Fehler. Entscheidend ist, ob Höhe und Länge zur Aufgabe passen. Fliegt er immer weit über die Zone hinaus, beobachte Zuspiel, Abstand und Treffmoment, bevor du eine einzelne Veränderung ausprobierst. Aus einem hohen Ball allein lässt sich keine sichere technische Ursache ableiten.
Von der einfachen Aufgabe ins kleine Spiel
Die Bilder sollen beim Spielen helfen, nicht das Spielen auf unbestimmte Zeit verschieben. Das aktuelle DTB-Kindertennis-Konzept verbindet Lernen früh mit Partneraufgaben und Spielsituationen. Die folgende Lernfolge ist eine redaktionelle Anregung; du passt sie an die Kinder an:
- Eine Seite kennenlernen: Berechenbares Zuspiel, große Zielzone, ein Lernbild. Danach bekommt auch die andere Seite ihre Versuche.
- Die passende Seite erkennen: Spiele gut erreichbare Bälle mal zur Vorhand, mal zur Rückhand. Die Reihenfolge ist nicht immer abwechselnd. Das Kind erkennt die Seite, bewegt sich passend und wählt seinen Schlag.
- Gemeinsam einen Ballwechsel schaffen: Zwei Kinder versuchen im angepassten Feld miteinander zu spielen. Wenn der Ballwechsel sofort abbricht, vereinfache Abstand, Ball oder Zuspiel. Das ist kein Grund für einen langen Technikvortrag.
- Eine Entscheidung im Punkt treffen: Lasst kurze Punkte mit großen Zielbereichen spielen. Nach dem Schlag sucht das Kind wieder eine Position, von der es den nächsten Ball erreichen kann – nicht zwangsläufig bei jedem Ball dieselbe geometrische Platzmitte.
Bereits frühe Spielversuche sind möglich, auch wenn beide Schläge noch unsicher sind. Zwischen Übungsform und Spiel darfst du hin- und herwechseln. Das Prinzip, Zuspiel und Ziel zunächst zu vereinfachen und später variabler zu machen, findet sich auch in der DTB-Übung „Vorhand und Rückhand platzieren“. Die Lernbilder hier sind keine wortgetreue Übernahme dieser Übung.
Gib eine Rückmeldung – und prüfe, ob sie hilft
Beschreibe etwas Sichtbares: „Diesmal hattest du Platz neben dem Ball“ oder „Der Ball ist in unserer Zone gelandet“. Das ist greifbarer als ein allgemeines „Mach die Technik besser“. Ein Schwerpunkt bleibt über mehrere Versuche bestehen; nicht jeder Ball braucht einen neuen Hinweis. Frage das Kind auch, welches Bild ihm geholfen hat.
Vergleiche einige Versuche vor und nach einer Veränderung. Wird der Ball besser erreichbar, der Treffmoment ruhiger oder die Richtung verlässlicher? Prüfe das bei einer späteren Einheit erneut. Ein einzelner gelungener Schlag ist noch kein stabil gelerntes Muster. Wenn nichts leichter wird, ändere zuerst die Aufgabe oder das Zuspiel, statt immer mehr Korrekturen hinzuzufügen.
Individuelle Bewegungen dürfen unterschiedlich aussehen. Entscheidend ist nicht eine identische Pose, sondern eine sichere, zur Aufgabe passende Bewegung, die weitere Entwicklung zulässt. Erzwinge keine Körperhaltung, nur damit sie dem Lernbild entspricht. Für ergänzende Bewegungsaufgaben findest du Anregungen zu Werfen, Fangen und Reagieren und zur spielerischen Beinarbeit.